Es ist für viele nicht einfach, über Sexualität und Liebe zu sprechen und eine besonders heiße Kombination ist Liebe, Sexualität und Spiritualität. Eine spannende Frage ist unter anderem, ob und inwieweit Sexualität und Spiritualität vereinbar sind. Eine berechtigte Frage angesichts der in letzter Zeit bekannt gewordenen Missbrauchsfälle innerhalb der Kirche. Darüber hinaus stellt sich die Frage auch deshalb, weil Sexualität nun mal eine stark körperliche Angelegenheit ist, Spiritualität hingegen weg vom Körperlichen und Materiellen hin zum Geistigen (im nicht-mentalen Sinne) abzielt. Muss es nicht unglaublich schwer sein, Sexualität und Spiritualität zu vereinen und wie könnte das aussehen? Und welche Rolle spielt Liebe hierbei?
Viele glauben, das Körperliche und damit die Sexualität müssten einfach aufgegeben und geopfert werden. Wer sich stattdessen spirituellen Zielen und Tätigkeiten widmet, der sei auf dem richtigen Weg. Dieses Modell stellt allerdings keine Verbindung zwischen Sexualität und Spiritualität her, sondern verdrängt das eine zugunsten des anderen. Nicht immer und unvermeidlich, aber meistens geht dieser Versuch mit Verdrängung einher und gerade katholische Priester beweisen das deutlich. Eine wirklich erlöste und konstruktive Verbindung zwischen Sexualität und Spiritualität leugnet die körperliche Sexualität nicht, prägt und führt sie aber durch die spirituelle Einstellung. Mit anderen Worten, spirituelle Menschen können durchaus Sex haben, aber es ist eben kein primär körperliches Vergnügen, das fast ausschließlich der genitalen Lustbefriedigung dient. Vielmehr nehmen sich beide Partner sehr viel ganzheitlicher wahr, ihre emotionalen Bedürfnisse insbesondere und lassen sich von Liebe führen anstatt auf mehr oder weniger egoistischer Lustbefriedigung zu setzen. Ganzheitlichkeit und Liebe sind wichtige Merkmale von Spiritualität.
Spiritualität und Sexualität in der Verbindung, das muss nicht bedeuten, dass man Tantra oder die aufsteigende Kundalini praktiziert, was den mehr energetischen Aspekt betont. Wichtiger ist das Vorhandensein und das zum Ausdruck kommen von Liebe. Die Unterscheidung der Spiritualität bzw. spirituellen Liebe zu normal sich liebenden und verliebten Paaren liegt in der Qualität der Liebe. Spirituelle und emotionale Liebe sind nicht das Gleiche. Bewusst oder unbewusst wird eine emotionale Liebe eingefordert, stellt Bedingungen und bringt eine gewisse Abhängigkeit mit sich. Die spirituelle Liebe hingegen nicht. Es erfordert eine reife Persönlichkeit und viel Entwicklung auch in früheren Leben, um Sexualität, Spiritualität und Liebe zu verbinden.